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31.05.2021 | Kategorien TD News

Schutz trifft Style

Regen, Wind, Kälte, Sonne, Hitze, Schnee … Wer mit dem Fahrradunterwegs ist, sollte wetterfest gekleidet sein. Gut geschützt radelt es sich entspannter. Und dennoch stylisch – sagt Brigitte Steffen von der Hochschule Reutlingen. Keine Outdoor-Aktivität ohne spezielle Produkte.

Commuter-Fashion soll das Radfahren im Alltag leichter, angenehmer und wetterfester machen. Das verspricht zumindest die wachsende Schar der Anbieter spezieller Kleidung. Doch braucht es die wirklich? Und was macht Radkleidung eigentlich aus?

Ein Interview mit Prof. Brigitte Steffen. Das Interview führte Armin Scharf.

Frau Steffen, braucht es im Alltag überhaupt eine spezielle Radkleidung?

Das kommt darauf an. Zum Beispiel auf die Umgebung, die Länge der Strecke, natürlich auf das Wetter. Und wozu man das Fahrrad nutzt – befinde ich mich auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen? Schließlich wäre noch der Fahrrad-Typ selbst, habe ich ein Sportrad, ein Hollandrad, ein E-Bike, wie tief ist der Einstieg? In jedem Fall aber gilt, dass die Kleidung maximale Bewegungsfreiheit bieten sollte.

Welche Aspekte stehen bei der Konzeption von Radbekleidung im Vordergrund?

Primär geht es um Sicherheit, um Sichtbarkeit, den Schutz vor dem Wetter und Stürzen. Ich denke an eingearbeitete Leuchtbänder oder Neoneffekte,auch an Protektoren. Das hört sich schrecklich an, kann aber durchaus Stil haben. Schauen Sie sich Workwear an, dann bekommen Sie viele Inspirationen. Feststeht, dass Jeans und Radfahren nicht zusammenpassen, eine enge Jeans mit ihrem festem Gewebe bewirkt, dass Sie stets gegen den Widerstand der Hose antreten müssen. Die Hersteller arbeiten zwar intensiv und innovativ am Komfort, etwa durch vermehrten Stretch-Einsatz, aber die Jeans bleibt schwierig. Im Prinzip ist körpernahe Kleidung gut, aber die sollte eben die Bewegung mitmachen können. Ich bin gespannt, wie sich die momentan weiter werdende Silhouette – vor allem bei den Hosen – mit dem Radfahren verbinden lässt.

Wie schnelllebig darf Bikefashion sein?

Grundsätzlich sollte Kleidung weder für den Alltag noch für den Sport schnelllebig sein, langweilig aber auch nicht. Wichtig sind vor allem hohe Qualität, Funktionalität und gute Pflegeeigenschaften. Das darf dann schon einen Preis haben. Ich denke, wir müssen den Wert von Kleidung insgesamt besser wahrnehmen und die Konsumierenden davon überzeugen, weniger und besser zu kaufen. Früher war Kleidung eine Investition, heute ist sie zum absoluten Konsumgegenstand degradiert.

Soll Bikefashion als solche erkennbar sein?

Generell ist seit Langem eine Versportlichung der Kleidung zu sehen. Hoodies, Joggpants, Jeggings und Sneakers sind die besten Beispiele dafür, wie sich die Styles vermischen. Und Menschen brechen heute zum Stadtspaziergang mit Funktionskleidung wie zu einer alpinen Wanderung auf. Aber wer sportlich wirkt, muss nicht unbedingt sportlich sein. Kleidung ist stets situtationsbedingt richtig oder auch nicht richtig. Kein Radfahrer wird im engen Renntrikot und mit Fahrradhose am Schreibtisch sitzen wollen.

Wo sehen Sie noch Defizite, welche Produkte fehlen?

Gute Jacken! Also solche, die auf dem Rad praktisch sind und auch im Office gut angezogen wirken. Zum Beispiel wären das neue Blazer- und Sakkoformen aus entsprechenden Stoffen. Oder die gerade trendigen Hemdjacken, so sie nicht zu voluminös oder zu lang sind. Das alles kann sehr elegant sein, etwa mit wandelbaren Kragenformen, Verschlusssystemen und Doppelfunktionen mehrlagiger Lösungen und integriertem, flexiblem Wetterschutz. Neben der Regenfestigkeit ist der Kälte- und Windschutz sehr wichtig, auch für das Gesicht. Da wären durchaus auch neue Ideen mit zivilerer Anmutung angebracht. Oder wie wäre es mit Jacken, die besser für den Rucksack geeignet sind, diesen vielleicht fixieren oder gar integrieren? Es gibt eigentlich unzählige Ideen.

Welche Rolle spielt die Materialtechnologie?

Eine immer wichtigere – eigentlich die entscheidende Rolle. Allerdings läuft das Zusammenspiel von Modedesign und Engineering bzw. Materialentwicklung nicht wirklich rund. Smart Wearables zum Beispiel kommen nicht so recht in Fahrt, weil die Lücke zwischen Technologie und Alltag nicht geschlossen wird. Dabei geht es um so scheinbar banale Dinge wie Waschbarkeit oder die Unterbringung von Stromquellen.

Sollten wir mehr Augenmerk auf umweltfreundliche Werkstoffe und Ausrüstungen legen?

Unbedingt. Ich hoffe, dass dies bald zur Selbstverständlichkeit wird. Recycling ist ein großes Thema in der Branche, vielfach wird ja bereits recyceltes Material für die Gewebeproduktion verwendet. Künftig wird es nicht mehr anders gehen. Immer wichtiger wird für die Kundinnen und Kunden die transparente Herkunft. Viele möchten wissen, wo und unter welchen Bedingungen die Kleidung produziert wird. Auch wenn sich die Umfrageergebnisse noch nicht mit dem tatsächlichen Kaufverhalten decken,
ist diese Entwicklung nicht aufzuhalten. Und das ist gut so. Wenn die Städte zudem die Altkleidercontainer reduzieren oder gar entfernen, wie gerade zu hören ist, kann dies zum Nachdenken anregen, wohin nicht mehr gebrauchte Kleidung geht – oder wer sie noch nutzen könnte.

Muss sich Radkleidung für Frauen von der für Männer unterscheiden?

Zwangsläufig, schon im Schnitt, wegen der Körperformen. Das wäre übrigens ein tolles Thema für Customizing, also die individuelle Fertigung, die trotz der digitialen Möglichkeiten nicht in Schwung kommt, weil besonders die Vermessung momentan viel zu aufwendig ist. Aber dafür hätte ich eine tolle Idee, wie man seine Körpermaße ermitteln lassen und dann als Kenndaten nutzen könnte ...

Sie haben vorhin Protektoren erwähnt. Wo sollten die sein und wie steht es um den Helm?

Protektoren sind vor allem für Ellbogen und Knie sinnvoll, vorausgesetzt sie sind leicht, maximal flexibel und beispielsweise in Strickschläuchen eingearbeitet. Solche Protektoren schützen vor Kollisionen mit anderen Radlern und auch bei Stürzen ohne Fremdeinwirkung, die immer noch das Hauptunfallszenario bilden. Und für den Helm gilt: keinen Meter ohne, zumal im Straßenverkehr!

Quelle Bild und Text:
Das Interview erschien in https://kreativ.region-stuttgart.de/nemo/bike/