Ausstellung „Lining“ - Die Linie als allumfassendes Element

Die Bachelorabsolventen des Studiengangs Textildesign/Modedesign nach ihrer Performance im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Lining“. Foto: Hochschule Reutlingen / Bleile

Von: Saskia Groß

Das Thema der Ausstellung „Lining“ ist vielschichtig. So bezeichnet „Lining“ in der Textilbranche das Innenfutter eines Kleidungsstückes, sein Herzstück. Ebenso bedeutet es aus dem Englischen übersetzt eine Linie, einen Weg oder auch eine Grenze. Ebenso vielschichtig wie die Begrifflichkeit präsentierten sich die Bachelorabsolventen den Besuchern der Ausstellungseröffnung auch mit ihren Abschlussarbeiten sowie einer beindruckenden Performance ihrer Abschlusskollektionen.

Deutlich zu spüren waren der große Enthusiasmus und das Engagement der Absolventen, die die Ausstellung mit maßgeblicher Unterstützung von Dr. Klaus Wührl-Struller, Dozent an der Hochschule Reutlingen, auf die Beine gestellt haben. Auch Christian Malycha, künstlerischer Leiter des Kunstvereins Reutlingen zeigte sich in seiner Begrüßungsrede begeistert: „Ich freue mich sehr für den Kunstverein, dass wir Gastgeber sein dürfen. Es ist die erste Kooperation, die wir in dieser Form zusammen ausrichten. Ich hoffe es werden noch einige folgen!“ 

Die Ausstellung präsentierte die außerordentlichen Gestaltungsmöglichkeiten im Textil- und Modedesign, die schöpferisches und praktisches Wissen sowie Kreativität vereinen. Die Ausstellungsstücke vermittelten und unterstrichen diesen Prozess von der ersten Skizze bis hin zur Umsetzung des Produktes in den Werkstätten und Laboren der Hochschulen sowie der abschließenden Präsentation des Produkts. „Die Wahl der Ausstellung als Präsentationsform bietet die idealen Voraussetzungen, die Arbeiten in allen Details und auch über den Entstehungsprozess wahrzunehmen“ so Prof. Änna Piel, Studiendekanin Bachelor Textildesign/Modedesign, Leitung Schwerpunkt Modedesign.

In individuell gestalteten Bereichen präsentierten die Absolventen ihre Arbeiten. Absolvent Julius Billwiller bezeichnet die Abschlussarbeiten, wiederum in Anlehnung an „Lining“ und auch für den Außenstehenden spürbar „als Herzstück unserer Arbeit der letzten dreieinhalb Jahre.“ Billwiller selbst ließ sich von den typischen Diagnose-Stigmata des Asperger-Syndroms für seine Kollektion „Der Junge vom Mars“ inspirieren. Es ist der Versuch, Verhaltensmuster und Gewohnheiten von Asperger Autisten in einer Modekollektion deutlich zu machen. Entstanden ist eine nicht explizit an autistische Menschen gerichtete, sondern vielmehr eine von ihnen sowie vom Mars inspirierte, tragbare Kollektion mit geraden Schnitten aus Materialien wie Jeansstoffen, Weltraum Printelementen, sowie Handgewebe und Stickerei. 

Pascale Damerau erarbeitete im Rahmen Ihrer Arbeit „change ID“ einen Lösungsansatz in Form eines Ratgebers für die Endverbraucherin, „der zu einem reflektierten und verantwortungsbewussten Konsum von Bekleidung beiträgt“. Im Fokus steht die Frage, wie sich ein ressourcenschonender und verantwortungsbewusster Umgang mit Kleidung realisieren lässt, der gleichzeitig einen individuellen, authentischen Selbstausdruck unterstützt oder verstärkt. Damit wird sowohl den Problemen der Überflussgesellschaft wie auch den Bedürfnissen des Individuums Rechnung getragen. Das Ergebnis ist ein innovatives Konzept in Form eines Ratgebers, welches die Methoden der Stiltypanalyse, der Figurtypbestimmung, der Farbanalyse sowie der Capsule Wardrobe, einer minimalistischen Garderobe mit maximaler Kombinationsvielfalt, vereint.

Die Arbeiten sind in ihrer Vielfältig- und Unterschiedlichkeit beindruckend und „von verblüffendem Niveau“ zeigt sich Prof. Brigitte Steffen, Leiterin des Studienschwerpunktes Textildesign/Material & Surface Design, begeistert. Die beindruckende Vielfalt, und auch die Individualität des schöpferischen Prozesses zeigt sich in der Arbeit „Poesie“ von Anne Schmiederer. Als grundlegende Inspiration für ihre Textil- und Materialkollektion sowie deren Anwendung in Mode- und Interieur diente Schmiederer ein eigens für diese Arbeit entstandener Song. Durch sensibles Spielen mit einer rein akustischen Inspiration ist eine visuelle Realisierung von Musik, Texten und Klängen entstanden.

Am Abend der Ausstellungseröffnung hatten Besucher die einmalige Möglichkeit alle 15 Abschlussarbeiten im Rahmen einer innovativen Performance zu erleben. Eindrucksvoll und hochprofessionell inszenierten die jungen Designer mit Unterstützung dynamischer Models ihre Kollektionen. Unter dem begeisterten Applaus der sichtlich beindruckten Besucher liefen die Models passend zum allumfassenden Thema der Ausstellung entlang einer durch die Ausstellung führenden blauen Linie.

Lining - Ausstellungskatalog

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