Herkunft

Über 500.000 Muster und Gewebe umfasst die Sammlung der Hochschule Reutlingen, die die europäische Webtechnik Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts prägte. Zwischen 1890 und 1935 angelegt, bieten diese Stoffe eine reichhaltige Quelle für die Erforschung von Modetrends dieser Zeit. Ein Glanzstück der Reutlinger Sammlung sind die rund 900 teilweise brillant verzierten japanischen Gewebestücke, die der deutsche Arzt Erwin von Baelz (1849-1913) um 1870 aus Japan mitgebracht hatte.

Von Tokyo nach Reutlingen

König Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864) gründete 1848 die „Centralstelle für Gewerbe und Handel“, Vorläufer des heutigen Wirtschaftsministeriums. Leiter der Institution wurde Ferdinand von Steinbeis (1807-1893), der auch technische Berufsschulen und Hochschulen sowie Lehrwerkstätten gründete. Als Reaktion auf die damalige Krise der württembergischen Textilindustrie gründete Steinbeis 1855 die Webschule Reutlingen, aus der die heutige Hochschule Reutlingen entstanden ist.

In Württembergs Hauptstadt Stuttgart stellte zu dieser Zeit das Landesgewerbemuseum eine große Sammlung von Textilmustern zusammen. In einer Dauerausstellung zeigte das Museum Gewebe sowie Werkzeuge und Maschinen aus Europa und Übersee. Die Sammlung fand großen Anklang: Das Museum zählte zwischen 1853 und 1873 eine Million Besucher sowie 20.000 Leihnahmen. Im 20. Jahrhundert verlor das Landesgewerbemuseum immer mehr an Bedeutung und wurde letztendlich geschlossen. Ein wesentlicher Teil seines Bestands an Textilien wurde an die Hochschule Reutlingen übergeben, so auch die Sammlung von Erwin von Baelz.

Eine Bilderauswahl der japanischen Gewebesammlung finden Sie  hier.