13.04.2017

Die Zukunft des Automobils

Studentische Visionen und Konzepte beim Jahresevent der IHK Kreativwerkstatt

Sie gestalten die Zukunft des Automobils aktiv mit- Studierende des Studiengangs Transportation Interior Design; von links: Katharina Otto, Janis Ufheil, Maxim Kimmerle und Sina Hägele; Foto: Hochschule Reutlingen / Simone Löffler

Simone Löffler

Mit einem spacigen Elektro-Modell von Daimler, Zukunftsvisionen über Flugautos und futuristischen Fahrzeug-Interieurs, wurden die Zuhörer vergangenen Donnerstag an einem historischen Ort der textilen Geschichte, der Ziegelhalle der Firma Anton Geiselhart, in die Zukunft des Automobils entführt.

Den Themen Design und Future Mobility widmeten sich Prof. Andrea Lipp, Studiendekanin Transportation Interior Design und Prof. Michael Goretzky, Dekan der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen zu Beginn des Abends. Wie wollen wir in Zukunft reisen? Welche Rolle spielt dabei das autonome Fahren? Welchen Einfluss haben innovative Materialien auf die Fahrzeuggestaltung? In ihrer Präsentation „Future Mobility – studentische Visionen und Konzepte“ begeisterten Prof. Andrea Lipp und Prof. Michael Goretzky die Kreativen mit der Vorstellung des Studiengangs Tranportation Interior Desing der Hochschule Reutlingen. „Wir bilden zukünftige Designer aus“, erklärte Prof. Andrea Lipp. Im Fokus des Studiengangs stehen neue Nutzergewohnheiten und der damit verbundene „mobile Lifestyle“, interaktive Materialien, integrierte Mobilität und autonomes Fahren. „Das autonome Fahren bietet eine neue Möglichkeit, den Raum als zusätzlichen Lebensraum zu nutzen“, so Lipp. „Wir vernetzen neue Mobilitätssysteme und entwickeln nachhaltige, tragfähige Konzepte“, erklärte Prof. Michael Goretzky. Anhand der Semesterprojekte „Dragon-Fly“ und „Socializer“, die in der Zusammenarbeit mit MAN Truck & Bus AG entstanden sind, machten Lipp und Goretzky neue Fahrzeugtypen und deren neue Nutzung erfahrbar.

„News innovation Truck”: Dragon Fly
Das Dragon-Fly Konzept von Katharina Otto und Janis Ufheil basiert auf einem autonomen Future-Truck im Jahr 2040. Ausgehend von der Annahme, dass sich im Jahr 2040 auch das typische Berufsfeld eines Truckers verändert haben wird und seine Tätigkeit sich nun nicht mehr ausschließlich auf das Fahren beziehen kann, kann er auch einen anderen Job parallel ausüben. Der Sitz ist an der Decke befestigt und ist im ganzen Raum frei beweglich. Er basiert auf einem zweischaligen System, bei dem eine Schale den Fahrer umschließt und somit die Gurtfunktion übernimmt. Je nach Anforderung lässt sich das Interieur transformieren und auf die individuellen Bedürfnisse anpassen. Der zur Verfügung stehende Loungebereich kann auf Bedarf im Boden versenkt werden, so entsteht ein flexibler und zugleich reduzierter Lebensraum.

Socializer - das Truckinterior der Zukunft
Das Projekt von Sina Hägele und Maxim Kimmerle schafft einen Spagat zwischen Sozial- und Arbeitsleben und bietet dem LKW Fahrer die Möglichkeit diese zu verbinden und somit die Trennung von Zuhause so komfortabel wie möglich zu gestalten. Durch das neue Raumkonzept, einer ausziehbaren Fahrerkabine, entsteht ganz neuer Lebensraum im Wohnmobilcharakter, der ganz im Sinne des LKW Fahrers genutzt werden kann. Ein Aufenthaltsraum, Schlafplatz, Essplatz bieten dem Trucker ein ganz neues soziales Umfeld und die Möglichkeit mit Truckerkollegen zu kochen oder gesellige Abende zu verbringen. „Das interessante an der Arbeit ist, dass sämtliche Funktionalitäten aus der Wand geklappt werden“, erklärt Goretzky.

Die gezeigten Projektvideos untermauerten eindrucksvoll die Qualität und Professionalität, die die Studierenden bereits im Studium entwickeln.

Doch was passiert mit dem Fahrspaß beim autonomen Fahren?
Das zeigt die Bachelor Arbeit von Michael Adler, die in Zusammenarbeit mit Mercedes AMG entstanden ist. Ziel seiner Bachelor-Arbeit „RVOLVE“ war es eine gestalterische Lösung des vorangehenden Entweder-Oder-Dilemmas zu finden, die Sportwagenherstellern auch in Zukunft eine tragende Rolle in der autonomen Fahrgesellschaft einnehmen lassen. Auf der einen Seite soll das Fahrzeug dazu in der Lage sein, eine hohes Maß an Komfort und intelligente Vernetzung bieten zu können, auf der anderen Seite soll es den Bedürfnissen eines Rennfahrers gerecht werden, ohne dabei die Kontrolle zwangsweise abgeben zu müssen. Hier geht es zum eindrucksvollen Video.

Prof. Heinrich Bülthoff, Direktor der Abteilung für Wahrnehmung, Kognition und Handlung am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen  stellte in seinem Vortrag „myCopter – Wann kommen die fliegenden Autos“ seine Forschungsprojekte und seine Version der mobilen Zukunft vor.

In seiner Keynote beleuchtete Dr. Carsten Oder, Leiter Vertrieb Mercedes Benz, unter der Fragestellung „Verkaufen wir noch Autos in einer digitalisierten Welt?“ die Zukunft des Automobils. Er zeigte Trends der Automobilbranche und die Entwicklung der eigenen Marke auf. „Unser Interesse ist es, den Kunden in unserer Welt zu halten“, erklärte Carsten Oder. Für die Zukunft bedeutet das ein attraktives Produkt-Portfolio anzubieten, auf individuelle Kundenwünsche einzugehen und den Mensch wieder mehr in den Mittelpunkt stellen.

Im Anschluss an die Präsentationen gab es einige automobile Trends zu bestaunen. Unter anderem präsentierten die TID-Studierenden Katharina Otto, Sina Hägele, Maxim Kimmerle und Janis Ufeil  in einer Ausstellung ihre Projekte „Dragon-Fly“ und „Socializer“ sowie die entsprechenden Materialstudien und traten in einen aktiven Austausch mit den Besuchern.